22.08.2019 09:00
von Bettina Bergmann

Mit den richtigen Lesestrategien den Überblick behalten

Weit am Anfang der Entstehung einer wissenschaftlichen Arbeit steht die Literaturrecherche, die vielen Studierenden schwerfällt. Wo finde ich die richtige Literatur? Wie soll ich erkennen, was für mein Thema wichtig ist und was nicht? Gerade, wenn du zu einem Thema schreibst, dass in der Fachwelt schon sehr viel bearbeitet wurde, ist es wichtig, von vornherein mit der richtigen Lesestrategie zu arbeiten. So kannst du sicherstellen, dass du keine Zeit mit Texten verschwendest, die du für deine Arbeit nicht benötigst.

 

Regale in einem Archiv - Wie mache ich eine Literaturrecherche?
So viel Literatur und so wenig Zeit? Mit der richtigen Strategie findest du schneller, was du suchst.

3 Strategien des Lesens

In diesem Artikel stelle ich dir drei Lesestrategien vor, die du optimalerweise nacheinander anwendest und so zu einem Korpus passender Literatur kommst. Alle drei sind schnell zu lernen und werden dir in Zukunft dabei helfen, immer den Überblick zu behalten. Lesen ist nicht nur beim Erstellen von wissenschaftlichen Arbeiten wichtig, sondern auch ein grundlegender Bestandteil deines gesamten Studiums – gerade, wenn du Geistes- oder Gesellschaftswissenschaften studierst.

Die drei grundlegenden Strategien sind:

1. Kursorisches Lesen

2. Selektives Lesen

3. Studierendes Lesen

Jede Strategie unterscheidet sich im Umfang dessen, was du liest und wie du es liest.

 

Kursorisches Lesen

Das Ziel des kursorischen Lesens ist es, dir einen Überblick und eine Orientierung über eine Quelle zu geben. Es geht hier gar nicht darum, den gesamten Inhalt des Textes schon zu lesen und zu analysieren. Stattdessen überfliegst du den Text, du liest ihn quer. Dabei erfasst du die Relevanz für deine Forschungsfrage. Die wichtigsten Eckdaten sind Autor und Titel des Textes. Außerdem kannst du dir einige Leitfragen stellen, die sich schnell beantworten lassen:

Ist der Text verständlich? Kann ich ihn gut für meine wissenschaftliche Arbeit verwenden? Bringt er mir vielleicht auch neue Impulse?

Gerade bei umfangreichen Werken bietet sich das kursorische Lesen an. Beginne mit dem Inhaltsverzeichnis und lies dich danach quer durch die Einleitung – hier stehen alle für dich relevanten Informationen auf engem Raum. Ist ein Text geeignet, beende hier deine Lektüre und lege ihn beiseite. Du wirst ihn später noch genauer lesen. Wende dich direkt dem nächsten Text zu und fahre so fort, bis du alle Quellen gesichtet hast.

Selektives Lesen

Jetzt solltest du schon einen Stapel von Texten haben, die auf den ersten Blick lesenswert und relevant für dein Thema erscheinen. In diesem zweiten Schritt geht es nun darum, genauer hinzuschauen, zu kategorisieren und weiter auszusortieren. Dazu eignet sich am besten das selektive Lesen. Wie der Name schon verrät, liest du auch hier nicht den ganzen Text. Jetzt konzentrierst du dich auf wichtige Textstellen, Kapitel und Abschnitte, die mit deinem Thema in Verbindung stehen. Unwichtiges überfliegst du weiterhin, wichtige Textstellen liest du jedoch sehr genau.

Stelle dir auch hier wieder Fragen: Worum geht es in diesem Text? Passt er zu dem, wonach du für deine Arbeit suchst? Welche Standpunkte vertritt der Autor?

So kannst du weitere Texte aussortieren und schon nach Priorität für dein Thema sortieren. Du schreibst eine Argumentation mit verschiedenen Sichtweisen? Dann kategorisiere hier die Texte bereits nach den Standpunkten ihrer Autoren. So fällt dir die kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten später noch leichter. 

Stapelweise Bücher und viele Ideen - hier ist eine Strategie notwendig.

Studierendes Lesen

Wenn du es bis hierher geschafft hast, bist du schon wirklich weit gekommen. Deine Literatur ist nach Priorität für dein Thema geordnet, du hast bereits aussortiert, was nicht passend ist. Es bleibt eine Liste von Texten, die du nun ganz intensiv lesen wirst. Das ist das studierende Lesen. Die Technik zielt darauf ab, den Inhalt von Texten vollständig zu erfassen, Fragen zu stellen und Antworten zu finden. 

Beim studierenden Lesen ist es aber mit einem Durchgang nicht getan. Viel mehr solltest du nach dem ersten Lesen reflektieren und gedanklich noch einmal die Aussagen nachvollziehen. Notiere dir Fragen, markiere wichtige Textstellen (und nur diese!). Am Wichtigsten ist dabei: Bleib kritisch! Hinterfrage den Text, auch wenn er noch so gut in deine eigene Argumentation passt. 

Wenn du diese Strategien gezielt bei deiner Literaturrecherche einsetzt, steht deinem Erfolg eigentlich nichts mehr im Weg. Denk daran, deine Quellen auch sauber in einem Verzeichnis zu erfassen. Nichts ist ärgerlicher, als ein perfekt passendes Zitat zu haben und nicht mehr zu wissen, wo es herstammt.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner nächsten Literaturrecherche!

Du hast noch Fragen?

Du schreibst gerade deine erste wissenschaftliche Arbeit oder sogar deine Bachelor- oder Masterarbeit und hast Probleme? Melde dich bei mir und wir sprechen darüber. 

Bildnachweise:
1. Bild: Samuel Zeller on Unsplash
2. Bild: Bettina Bergmann

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